Der Wolf in Dänemark – Rückkehr eines alten Freundes
Der Wolf ist zurück in Dänemark – und mit ihm eine Debatte, die in Deutschland wie in Dänemark gleichermaßen hochkocht. Während manche Stimmen laut nach Abschuss rufen, sehen andere im Wolf ein wichtiges Stück Natur, das wir Menschen über Generationen verdrängt haben.
Ich vertrete klar die Haltung: Der Wolf gehört zur Natur. Er hat ein Recht auf Leben. Und wir Menschen können uns und unsere Tiere schützen – ohne den Wolf auszurotten.
Der Wolf als Vorfahr des Hundes
Bevor wir über Konflikte sprechen, müssen wir uns eines bewusst machen:
Ohne den Wolf gäbe es keine Hunde.
Genetisch ist der Haushund (Canis lupus familiaris) ein domestizierter Wolf.
Die Domestizierung begann vor vielen Tausend Jahren, als Wölfe sich menschlichen Lagern näherten.
Menschen nutzten die feinen Sinne der Tiere, Wölfe profitierten von Nahrung und Schutz.
Aus zutraulichen Wölfen wurden Jagdhelfer, Hütehunde, Wachhunde – später Familienhunde.
Der „böse Wolf“ ist also gleichzeitig der Urahne unserer liebsten Haustiere.
Das sollte in jeder Debatte präsent sein.
Historie: Der Wolf in Dänemark – vom Alltagswild zur Ausrottung
Frühe Geschichte
Der älteste Wolfsfund in Dänemark stammt aus Allerød (Nordsjælland) und ist rund 12.400–12.700 Jahre alt.
Der Wolf war über Jahrtausende in ganz Dänemark verbreitet – auf Jütland und den Inseln.
Systematische Verfolgung
Bereits 1357 ordnete König Valdemar gezielte Wolfsjagden an.
Es gab Ulvegårde (eingezäunte Fallen), Ulvegrave (tiefe Gruben) und spezialisierte Wolfsjäger.
Der Wolf galt als Schädling, obwohl keine gesicherten Angriffe auf Menschen dokumentiert sind.
Ausrottung
Der letzte offiziell bestätigte Wolf wurde 1813 bei Estvadgård südlich von Skive erlegt.
Danach war der Wolf fast 200 Jahre lang verschwunden – nicht aus natürlichen Gründen, sondern durch menschliche Verfolgung.
Bei den ganzen Berichten kommt es mir so vor als wenn das wieder das Ziel ist
Team Danmarks Blog sagt klar NEIN dazu
Die Rückkehr des Wolfes nach Dänemark
Einwanderung aus Deutschland
Mit der Erholung der Wolfspopulation in Deutschland ab den 1990er‑Jahren wanderten einzelne Tiere nach Jütland ein.
2012: Erste bestätigte Sichtung eines Wolfes bei Nors Sø in Thy.
2017: Erstes Rudel mit acht Welpen bei Ulfborg – ein Wendepunkt für den Artenschutz.
Aktuelle Population (Stand 2026)
Rund 77 Wölfe leben in Dänemark.
61 Welpen wurden 2026 gezählt – verteilt auf elf Rudel.
Die Bestände wachsen stabil.
Verbreitung
Wolfsrudel gibt es u.a. in:
Skjern Hovborg Ulfborg Klosterhede Oksbøl Råbjerg Estvad Dejbjerg Løgumkloster
Lille Vildmose – 6 km von der Redaktion Danmarks Blog entfernt. Auch dort gibt es nachweislich Wolfsaktivität, was zu meinen eigenen Beobachtungen passt.
Warum der Wolf wichtig ist – seine Rolle im Ökosystem
Regulation von Wildbeständen: Wölfe jagen vor allem Rehe, Damwild und Wildschweine. Sie entnehmen schwache und kranke Tiere
das stabilisiert Populationen.
Förderung der Biodiversität: Durch die Anwesenheit großer Beutegreifer verändert sich das Verhalten von Wildtieren. Wälder und Vegetation können sich besser regenerieren.
Aas als Ressource: Risse bieten Nahrung für Raben, Füchse, Insekten – ein natürlicher Kreislauf.
Eine Natur ohne große Beutegreifer ist eine vom Menschen zurechtgestutzte Restlandschaft.
Die Debatte: Angst, Politik und Emotionen
Gesellschaftliche Stimmung
Die Stimmung kippt – ähnlich wie in Deutschland.
Laut einer Epinion‑Umfrage für DR sagen 44 %, dass „kein Platz für Wölfe“ in Dänemark sei.
Typisch für Dänemark, Natur Ja – aber von Menschen gestalltet. Vorzugsweise von Dänen.
Nur 33 % widersprechen.
Medienberichte über Einzelfälle verstärken die Angst.
Rechtlicher Schutz
Der Wolf ist nach EU‑Recht streng geschützt.
Seit 2025 wurde der Schutzstatus im Rahmen der Berner Konvention leicht herabgestuft.
Dänemark erlaubt Abschüsse sogenannter „Problemwölfe“, wenn sie wiederholt Nutztiere reißen oder sich Menschen nähern.
Gleichzeitig verschwinden immer wieder Wölfe – Hinweise auf illegale Abschüsse.
Schutz von Menschen und Nutztieren – ohne den Wolf zu töten
Verhalten gegenüber Menschen
Wölfe sind scheu. Offizielle Empfehlungen:
Laut sprechen, sich bemerkbar machen
Nicht rennen
Ruhig zurückziehen
Wenn der Wolf folgt: stehen bleiben, groß machen, klatschen
Angriffe auf Menschen sind extrem selten.
Herdenschutzmaßnahmen
Es gibt funktionierende Lösungen:
Elektrische Zäune
Herdenschutzhunde (Pyrenäenberghund, Maremmano)
Nachtpferche
-Staatliche Entschädigungen für nachweisliche Wolfsrisse
Viele Konflikte entstehen dort, wo Tiere ungeschützt stehen.
Unsere Haltung – klar und deutlich
Der Wolf hat ein Recht auf Leben.
Der Mensch darf nicht alles ausrotten, was stört.
Der Wolf ist gut für die Natur.
Menschen und Tiere können geschützt werden – ohne Abschuss als Standardlösung.
Der Wolf ist kein Problem. Er ist ein Teil der Natur, der zurückgekehrt ist, weil wir ihn nicht mehr überall
gnadenlos und sinnlos verfolgen.
Wir müssen lernen, wieder mit ihm zu leben – so wie unsere Vorfahren es taten.
Quellen & Recherchehinweise
Historische Wolfsjagden in Dänemark (Weismann 1931)
DR/Epinion Umfrage zur Wolfsakzeptanz
Dänische Wolfsmonitoring‑Daten (Naturstyrelsen)
Europäische Wolfspopulationen (EU Large Carnivore Initiative)
Nützliche Links
Reportage:
Die Nacht, in der Felix verstummte
Eimer auf der Wiese – Erst Verdacht dann die Wahrheit
Ein spezieller Beitrag in unserer Artikelserie ” Dänemarks Wilde Tiere ” Der Wolf
erscheint in Kürze und wird hier verlinkt.
Redaktion Danmarks Blog

