Nettopower: Vom Billig‑Stromanbieter zum handfesten Skandalfall
**Nettopower ApS**, einst als günstiger dänischer Stromlieferant vermarktet, ist heute ein Paradebeispiel dafür, wie ein Energieanbieter seine Kundschaft systematisch täuschen kann.
Der Konzern ist **insolvent**, wurde **geschlossen** – und tausende Kundinnen und Kunden bleiben auf ihren Guthaben sitzen.
Nettopower gehörte zur Velkommen‑Gruppe, die mit Marken wie Velkommen, Nettopower, Power Fuel und Vedvarende zehntausende Haushalte gewann.
Der Vertrieb lief oft über aggressive Telefonakquise und vermeintlich günstige Tarife.
Der Absturz: Ermittlungen, Millionenlöcher, Konkurs
Pflichtverstöße & Aufsichtsverfahren
Die dänische Energieaufsicht stellte massive Unregelmäßigkeiten fest:
– Überhöhte Abschlagszahlungen
– Rückzahlungen, die monatelang nicht erfolgten
– Fehlende Weiterleitung von Netzentgelten** an Radius und Cerius
Letzteres ist besonders brisant: Nettopower kassierte Gebühren von Kunden, leitete sie aber nicht an die Netzbetreiber weiter. Die Folge: Millionenverluste – und eine **Politianzeige**.
Offizielle Insolvenz
Am 28. Juli 2026 wurde Nettopower beim Sø‑ og Handelsretten für **konkurs erklärt**.
Die Verträge wurden zwar an einen neuen Anbieter übertragen – **aber ohne die Kundenguthaben**.
Betrugsvorwürfe: System statt Einzelfall
Die Vorwürfe gegen Nettopower und die Schwesterfirmen zeigen ein klares Muster:
– Kundengelder wurden offenbar **als Liquidität** genutzt
– Guthaben wurden **nicht getrennt verwaltet**
– Rückzahlungen wurden **bewusst verzögert**
– Netzgebühren wurden **einbehalten**
Das Ergebnis: Ein Unternehmen, das sich über Wasser hielt, indem es Kundengelder zweckentfremdete.
Redaktion von Danmarks‑Blog selbst betroffen
Auch **Redaktøren von Danmarks‑Blog** waren selbst Kundinnen und Kunden von Nettopower – und berichten aus eigener Erfahrung:
„Fast nie kam eine Rechnung. Die Abschläge waren viel zu hoch, und man wusste nie: Habe ich jetzt zu viel bezahlt oder zu wenig?“
Nach dem Konkurs kam plötzlich eine neue Rechnung – diesmal mit dem Namen **Energidrift**.
Keine Erklärung, kein Hinweis, kein Schreiben über den Anbieterwechsel. Nur eine neue Rechnung, als wäre nichts passiert.
Können Kunden ihr Geld zurückbekommen?
Kurz und ehrlich: **Nein – fast alle Guthaben sind verloren.**
Warum?
– Im Konkursverfahren sind Privatkunden **nachrangige Gläubiger**
– Netzbetreiber, Banken und der Staat stehen **vor ihnen**
– Das Konkursbo ist durch Millionenforderungen **praktisch leer**
– Kundenguthaben existieren nicht mehr als separater Geldtopf
Theoretisch möglich – praktisch aussichtslos
Man kann seine Forderung beim Konkursbo anmelden, aber die realistische Quote liegt bei **0–1 %**.
Was ehemalige Kunden tun können
– Forderung anmelden** (kostenlos, aber ohne echte Aussicht)
– Belege sichern** (Abschläge, Kontoauszüge, E‑Mails)
– Mitteilungen des Kurators verfolgen**
Mehr bleibt leider nicht.
Fazit: Ein Lehrstück über fehlende Kontrolle im Energiemarkt
Nettopower zeigt, wie gefährlich Billigangebote im Strommarkt sein können, wenn Aufsicht und Transparenz fehlen.
Der Anbieter versprach günstigen Strom – und hinterließ tausende Menschen, die auf ihren Vorauszahlungen sitzen bleiben und nie wieder eine Krone davon sehen werden.
Ein Skandal, der Dänemark wachrütteln sollte.

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