Die Nacht, die mir erneut gezeigt hat, wie gefährlich mein Alltag geworden ist
Am frühen Abend begann alles wie schon so oft: Ich saß vor dem Fernseher, plötzlich merkte ich, wie die Luft weniger wurde. Die Lunge ging zu, kein Volumen, kein Rhythmus. Ich inhalierte meine Sprays – ohne Erfolg. In dieser Situation bleibt mir nur eines: meine Helferin Jenni anzurufen, die im Gästezimmer über mir wohnt. Sie kam sofort herunter, versuchte mich zu beruhigen, sprach ruhig, blieb bei mir. Nach einiger Zeit kam ich wieder in einen halbwegs stabilen Atemrhythmus. Die Lage entspannte sich – vorerst.
Gegen 23 Uhr wachte ich auf, und es war sofort klar: Die Situation war schlimmer als zuvor. Eine brutale Enge, kein Volumen in der Lunge, keine Luft rein, keine Luft raus. Panik. Todesangst. Ich griff zum Telefon, drückte den Hörer. Jenni kam sofort herunter und wählte den Notruf 112. Kurze Schilderung – und der RTW war unterwegs. Keine drei Minuten später standen bereits zwei Ersthelfer im Wohnzimmer, ein junger Mann und eine Frau. Gleichzeitig traf der RTW ein. Vorzüglich. Wirklich bemerkenswert. So etwas erlebt man sonst nirgends.
Doch die bittere Pille ist: Wäre ich alleine gewesen, wäre niemand gekommen. Das ist nicht Theorie – das ist nachweisbar. Mindestens zwei Mal ist es passiert, im Juni und Juli 2026. Wenn ich anrufe, werde ich weitergeleitet an den Bereitschaftsarzt. Und der sagt mir – wie zwei Tage zuvor – es sei ja chronisch, ich solle meinen Arzt am Tag anrufen. Oder es kommt einfach niemand.
Ich habe seit Jahren die Vermutung, dass irgendwo eine Funktion existiert, oder dass man es an der CPR‑Nummer sieht, wenn „unbequeme Menschen“ anrufen. Ich erlebe es im Krankenhaus: Rufe ich anonym an – freundlich – ist alles okay. Sobald ich meine CPR‑Nummer sage, kippt die Stimmung. Das gleiche bei der Kommune, beim Lægevagt, beim Notarzt. Auch diesmal hörte ich, wie Jenni meine CPR‑Nummer nannte. Ich war nicht am Telefon, also nicht alleine. Und als der Fahrer meine Adresse durchgab, stockte seine Stimme – es klang abfällig. Das war mein Empfinden.
Normalerweise werde ich vor Ort untersucht. Dieses Mal sollte ich sofort in den RTW – im Rollstuhl. Jenni sagte sofort: „Der kann nicht sitzen.“ Ich bestätigte es. Ich liege seit sieben Monaten fest im Bett. Es gab eine Diskussion. Am Ende holten sie ein Betttuch und trugen mich nach draußen.
Im RTW hieß es sofort: „Wir fahren nach Aalborg.“ Ich sagte: „Das mache ich nicht.“ Ich gehe nicht zurück in das Krankenhaus, in dem ich zweimal nicht behandelt wurde – im Januar mit Wasser in der Lunge, im Februar zwei Tage ohne Untersuchung dort gelegen. Ich bat darum, mich nach Hobro zu bringen. Die Fahrer lehnten ab. Also sagte ich: „Dann zurück ins Haus.“ Auf eigene Verantwortung. Ich unterschrieb – sagte aber unter Zeugen, dass er vermerken soll, warum ich nicht dorthin wollte.
Diese Angst kommt nicht aus dem Nichts. Im Februar musste ich dieses Krankenhaus mit Hilfe der Polizei verlassen. Das Resultat: Ein Unfall mit dem Rollstuhl, Wirbelbruch Nr. 2 – zu Hause. Wenn ich überlege, was dort alles versäumt wurde, unterlassen wurde, was versucht wurde, mir zu schaden – unterlassene Untersuchungen, falsche Entscheidungen – es war wirklich das Übelste.
Und genau dort soll ich wieder hin? Fünf Jahre lang bin ich aus dem Dorfkrankenhaus Hobro nicht herausgekommen. Damals hieß es immer: „Nein, wir fahren dich nicht nach Aalborg.“ Seit ich klage, geht es nur noch nach Aalborg.
Ich bekomme ernsthaft Angst hier.
Diese Nacht hat mir erneut gezeigt, wie gefährlich meine Situation ist. Nicht nur medizinisch – sondern strukturell. Ich bin abhängig davon, dass jemand für mich anruft. Ich bin abhängig davon, dass jemand meine Adresse nennt. Ich bin abhängig davon, dass jemand nicht meine CPR‑Nummer nennt.
Und das darf in einem Gesundheitssystem nicht passieren.
Zusätzlich muss ich festhalten, dass ich seit sieben Monaten keinerlei Thrombose-Prophylaxe bekomme. Kein Heparin, keine Spritzen, keine medizinische Absicherung – nichts. Es ist ein reines Glücksspiel, ob ich jeden Tag überlebe oder nicht. Bei meiner Immobilität und meinem Risiko ist das medizinisch völlig unvertretbar.
Die Klage gegen diese Zustände ist eingereicht.
HIER KANN ES JEDER NACHLESEN – TROMBOSE-PROPHYLAXE IN DÄNEMARK


