Dänemarks Geschichte-Dänemark nach 1945-was kaum einer weiss. Teil 1

Dänische Bevölkerung in Aufbruch -Stimmung bei Kriegsende
Dänemark nach 1945 Teil 1

Dänemark nach 1945: Die Behandlung von Deutschen und „deutschfreundlichen“ Dänen

Als der Zweite Weltkrieg im Mai 1945 endete, befand sich Dänemark in einer tiefen gesellschaftlichen und moralischen Erschütterung. Fünf Jahre Besatzung hatten Spuren hinterlassen – politisch, wirtschaftlich und emotional. Die Wut auf die deutsche Besatzungsmacht entlud sich nach Kriegsende nicht nur gegenüber deutschen Soldaten, sondern auch gegenüber Zivilisten, Frauen mit deutschen Partnern, Kindern deutscher Väter und Dänen, die mit Deutschen kooperiert hatten.

Die folgenden Entwicklungen gehören zu den dunkelsten Kapiteln der dänischen Nachkriegsgeschichte – und sie werden bis heute selten offen angesprochen.

1. Deutsche Flüchtlinge: Unerwünscht und entrechtet

Zwischen Ende 1944 und Frühjahr 1945 gelangten rund 250.000 deutsche Flüchtlinge nach Dänemark – überwiegend Frauen, Kinder und alte Menschen. Sie flohen vor der Roten Armee oder wurden im Rahmen deutscher Evakuierungsaktionen nach Dänemark gebracht.

Nach der Befreiung übernahm die dänische Verwaltung die Kontrolle über diese Menschen. Die Stimmung war eindeutig: Die Deutschen waren nicht willkommen.

Lebensbedingungen in den Lagern
Die dänische Regierung verfolgte eine harte Linie:

Kein Zugang zu medizinischer Versorgung
Dänische Ärzte durften deutsche Flüchtlinge offiziell nicht behandeln. Viele starben an Krankheiten, die behandelbar gewesen wären.

Strikte Isolation
Die Lager wurden bewusst abgeschottet, um jeden Kontakt zur dänischen Bevölkerung zu verhindern.

Mangel an Nahrung und Hygiene
Die Versorgung war minimal, oft unzureichend. Besonders Kinder litten unter Unterernährung.

Keine Bewegungsfreiheit
Die Lager waren streng bewacht; Verlassen war verboten.

Diese Politik dauerte bis 1949, als die letzten Lager geschlossen wurden.

2. Dänische Frauen mit deutschen Partnern („Tyskertøser“)
Ein besonders sensibles Kapitel betrifft die dänischen Frauen, die während der Besatzung Beziehungen zu deutschen Soldaten hatten.

Nach 1945 wurden sie:

– öffentlich gedemütigt
– kahlgeschoren
– beschimpft, bespuckt, verprügelt
– aus ihren Gemeinden vertrieben
– teilweise interniert
– ihrer Bürgerrechte beraubt

Ihre Kinder – oft „tyskerbørn“ genannt – wurden ebenfalls stigmatisiert und litten jahrzehntelang unter Diskriminierung.

3. Dänen, die Deutschen geholfen hatten. Auch Dänen, die während der Besatzung:

– mit Deutschen zusammenarbeiteten
– deutsche Flüchtlinge unterstützten
– geschäftliche Beziehungen pflegten
– oder schlicht als „zu freundlich“ galten

wurden nach 1945 hart bestraft.

Viele verloren:

– ihre Arbeit
– ihre gesellschaftliche Stellung
– ihre Wohnungen
– ihre Sicherheit

Einige wurden verhaftet oder in Sonderlagern interniert.

4. Wie lange dauerte diese Phase?

Die harte Nachkriegszeit lässt sich grob in drei Phasen einteilen:

| Zeitraum | Situation |

| Mai 1945 – 1946 | Härteste Phase: Vergeltung, Internierungen, Ausschluss deutscher Flüchtlinge von medizinischer Versorgung. |
| 1946 – 1948 | Langsame administrative Normalisierung, aber weiterhin Isolation der Deutschen in Lagern. |
| 1948 – 1949 | Schließung der Lager, Rückführung der letzten Flüchtlinge. |

Insgesamt dauerte die systematische Entrechtung deutscher Zivilisten in Dänemark vier Jahre.

5. Die Nachwirkung bis heute

Viele Deutsche – auch solche, die nach dem Krieg geboren wurden – erleben bis heute, dass ihnen „die deutsche Vergangenheit“ vorgehalten wird.
Das geschieht:

– in Diskussionen über Politik
– in historischen Debatten
– im Alltag, wenn Vorurteile mitschwingen
– in Medien und Popkultur

Während Deutschland sich intensiv mit seiner Schuld auseinandergesetzt hat, wird in Dänemark dieses Kapitel – die harte Behandlung deutscher Zivilisten – oft weniger offen thematisiert.

Das führt zu einem Ungleichgewicht: Die deutsche Schuld ist präsent,

Das dänische Fehlverhalten nach 1945 dagegen kaum.

6. Warum dieser Artikel wichtig ist

Es geht nicht darum, die deutsche Verantwortung im Zweiten Weltkrieg zu relativieren.
Aber es ist ebenso wichtig, die komplexe Realität nach 1945 zu benennen:

– Unschuldige deutsche Frauen und Kinder litten.
– Dänische Frauen und „deutschfreundliche“ Dänen wurden brutal behandelt.
– Die Maßnahmen waren bewusst hart – und sie dauerten Jahre.
– Die Nachwirkungen sind bis heute spürbar.

Nur wenn man alle Seiten der Geschichte betrachtet, entsteht ein vollständiges Bild.

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Markus Hecker

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